Auf den Friedfertigen hin: Jesus Christus aus der Perspektive der Wiederherstellung, Matthew J. Frizzell

Matthew J Frizzell

Die Zukunft ist unsicher. Viel ist in Bewegung. Was die Kirche derzeit durchmacht ist kein Zyklus. Die Dinge werden nicht wieder so werden, wie sie einmal waren. Es ist eine Herausforderung zu planen. Es ist eine Herausforderung zu führen.

Was wir aber tun können? Er sagt, „Folge mir”.

Das Christentum ist weltweit in Veränderung. Manche nennen dies eine Krise. Das ist keine Übertreibung. Es ist schwierig diese Krise zu charaktierisieren. Es ist schwierig zu wissen, wie man sich im Hinblick auf diese Krise fühlen soll. Die Herausforderungen, denen sich die Christen weltweit stellen, hängen davon ab, wo sie sich aufhalten und welchen Ort sie ihr Zuhause nennen. Wir spüren diese Herausforderungen auf vielerlei Art und Weise: Abnehmende Anwesenheitszahlen, Trends im Zufluss von Spendengeldern, sich verändernde Glaubenslehre, Fundamentalismus, Konflikte zwischen den Glaubensrichtungen (an vielen Orten auf der Welt), und bemerkenswerte Widersprüche zwischen den Auffassungen über das, was das Evangelium heute bedeutet. Der christliche Glaube ist entzweit über die Art und Weise, wie Schrift gelesen werden soll, das das Evangelium dem Gläubigen heute sagen will und wie es sich in der Welt oder der täglichen Nachfolge noch anwenden lässt.

An vielen Orten verschiebt sich die Anwesenheit in den Gottesdiensten oder sie nimmt ab. Die Pfingstgemeinden wachsen stetig, während andere Kirchen altern und Gemeinden schließen müssen. Die Menschen verändern auf welche Weise sie sich noch den Kirchen verpflichten möchten. Spiritualität ist im höchsten Maße individualisiert. Diese Krise begrenzt sich nicht allein auf die USA, Canada, Europa oder Australien. Nochmal, diese Herausforderungen mögen anders sein, je nachdem, wo man sich gerade auf der Welt befindet.

Der christliche Glaube ist nicht in seiner Existenz bedroht, wie manche befürchten. Aber das Christentum geht sicher durch eine Zeit der Veränderungen, der Misserfolge und der Wiedergeburten.

Die Gemeinschaft Christi

Die Gemeinschaft Christi ist hierin nicht allein. Die gesamte Christenheit befindet sich in einer Zeit monumentaler Übergänge. Zeiten der Veränderung sind wichtig und notwendig. Sie zwingen uns dazu zu erkennen, was essenziell und vonnöten ist. Krisen vermögen es, uns zu den Grundlagen zurück zu führen und zu erkennen, worauf es ankommt. Die Zeiten für Veränderung sind geistiger Natur, denn sie fordern nach der Fähigkeit zu unterscheiden. Wir müssen unterscheiden, was für die Reise, die vor uns liegt, unverzichtbar ist.

Was ist essenziell und für die Gemeinschaft Christi nicht verhandelbar? Diese Frage ist nicht neu. Aber das Stellen von grundlegenden Fragen ist für uns noch nicht vorbei.

Prophetische Menschen sind wach, sie befassen sich mit den grundlegenden Fragen der Veränderung. Individuell und kollektiv rufen uns diese Fragen dazu auf, tiefer zu graben. Der Artikel von Katie Harmon-McLaughlin, “Formed by Christ,” [„durch Christus gestaltet“, Anm. d. Übers.] im Herald des Monats Januar und Februar veranschaulicht diese geistige Reise. Sie ist ein ausgezeichneter Wegweiser.

Prophetische Menschen identifizieren und antworten auf Gottes Geist in Zeiten des Wirkens Gottes in Zeiten von Krisen und Veränderungen. Von Moses bis Jesus bis Joseph bis heute ist dies etwas, was Propheten schon immer getan haben. Gott ist treu, gerade in Nöten, und schafft etwas Neues.

Jesus, Gottes Shalom

Jesus Christus ist das wesentliche, nicht verhandelbare, Zentrum der Gemeinschaft Christi. Gottes Offenbarung in Christus ist das Zentrum unseres Glaubens, Identität und Berufung. In ihm ist das verwirklicht, um das es im Namen „Gemeinschaft Christ“ geht. Gott ist die Botschaft und der Botschafter für das Reich Gottes in dieser Welt. In Jesus, ist Gottes Reich unter uns. Das ist unsere zentrale Botschaft. Gottes Frohe Botschaft leitet unsere Mission an.

Lehre und Bündnisse 163 markiert einen Wendepunkt in unserem Verständnis von Jesus. Abschnitt 163 vermittelt uns eine veränderte Perspektive der Wiederherstellung über Jesus Christus, die relevant für unsere sich verändernde Welt ist. Glaube an Jesus Christus vereint sich hier mit dem Ruf der Wiederherstellung Zion, Gottes Friedensreich auf Erden, hervor zu bringen. Abschnitt 163 stellt dies klar. Jesus ist Gottes Verkörperung von Gottes Shalom.

Jesu Stimme ist die Stimme, die „durch die Äonen der Zeit klingt“ und uns dazu einlädt, Nachfolger zu sein (Lehre und Bündnisse 162:1b). Der Ruf, Christus nachzufolgen, könnte kaum zu einem passenderen Zeitpunkt erfolgt sein. In den Evangelien, spricht Jesus als ein Prophet, der auf den Geist Gottes hin Zeugnis ablegt, der Hoffnung säht, während sich Israels Krise sich weiter entfaltet. Seine Geburt und sein Dienst offenbaren Gottes Wirken selbst in überwältigender Unsicherheit. Jesu Tod und Wiederauferstehung offenbaren Israel (und uns), dass Gott treu ist – selbst in Misserfolg und Wiedergeburt. Wir brauchen diesen Glauben. Es ist dieser Glaube, zu dem die Wiederherstellung berufen ist.

Ein Volk der Wiederherstellung muss mehr sein als ein Volk mit einem Tempel. Wir müssen zu einem Volk des Tempels werden (Lehre und Bündnisse 161:2a). Als „Volk der Wiederherstellung“ (162:1a) sind wir dazu berufen „Gemeinschaft Christi“ (163:1) zu werden. Ein Volk des Tempels zu werden bedeutet, dass Jesus Christus zukünftig im Zentrum des Wiederherstellungsglaubens stehen muss. Die Erfüllung des Zwecks des Tempels liegt darin, ein Volk Christi zu werden.

Wie bringen wir das zustande? Wir stellen eine weitere grundlegende Frage: „Wer ist Jesus Christus?“

Jesus Christus ist eine fortlaufende Offenbarung. Wiederherstellungsglaube verkündet prophetisch, dass Jesus Christus mehr ist als ein persönlicher Erretter oder Weg zum Himmel ist. Lehre und Bündnisse 163 entfaltet eine tiefere Bedeutung.

Lehre und Bündnisse 163:2a verkündet, dass Nachfolge Jesus der Weg zu Gottes Frieden und Segnungen aller Dimensionen der Erlösung ist. Jesus ist die Verkörperung von Gottes Shalom. Aber was soll das heißen?

Wer ist Jesus, die Verkörperung von Gottes Shalom? Das ist eine weitere grundlegende Frage. Verkörperung ist ein Schlüsselwort. Es führt uns in das Herz des christlichen Glaubens und bringt uns zurück an den Anfang. Verkörperung bedeutet, einen Körper anzunehmen oder „Fleisch zu werden“. Wir können uns Verkörperung als Annahme menschlicher Form vorstellen. Johannes verkündet etwas sehr ähnliches in seinem Evangelium.

In Johannes 1 verkündet Johannes Jesus als Wort Gottes. Jesus ist das Wort, das Fleisch wurde und unter uns lebte. Er ist Gottes Wille und Gottes Herrschaft auf Erden. In christlicher Theologie nennen wir dies „die Inkarnation“. Inkarnation ist eine andere Wortwahl für den Begriff Verkörperung. Aber, im Sinne von Johannes, ist Jesus mehr als das.

Für Johannes war „das Wort“ auch in der Schöpfung zugegen. „Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist.“ (Johannes 1:3 EinhÜ) Dies fügt dem eine neue Dimension hinzu. Jesus ist nicht nur die Inkarnation oder Verkörperung von Gottes Wort. Jesus ist auch die Offenbarung des Willens Gottes und seine Absicht für die Schöpfung. Sein Leben, Tod und Wiederauferstehung offenbaren Gottes beabsichtigten Zweck für die Schöpfung und ihre Erfüllung. Die Erfüllung der Schöpfung ist in Gottes Frieden, Shalom.

Lehre und Bündnisse 163 hallt das Evangelium des Johannes wider. Die Wiederherstellung kommt in Erfüllung in der Nachfolge Jesu.

Eine Gemeinschaft Christi ist Gottes Reich, Zion auf Erden. Die Liebe Gottes, die in Jesus offenbart ist, ist die Gegenwart von Gottes friedlicher Herrschaft, Shalom.

Gottes Shalom ist Leben, Frieden und Erfüllung in dieser Welt. Jesu Beispiel nachzufolgen, Nachfolge ist der Pfad und die Offenbarung zu ihrer Erfüllung. Es ist die Hoffnung und der Pfad nach Zion. Johannes Evangelium verkündet dieselbe Botschaft, wenn Jesus sagt:

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“ (Johannes 14:6 EinhÜ)

Ich möchte mich klar ausdrücken. Johannes 14:6 bedeutet nicht das, was viele Christen behaupten. Jesus sagt hier nicht, dass das Christentum die einzig-wahre Religion sei. Das verzerrt Johannes Evangelium und reißt diese Schriftstelle zu weit aus dem Zusammenhang. In Jesu Verkündigung in Johannes 14:6 geht es nicht vor allem um die persönliche Erlösung von der Sünde oder um den Weg zum Himmel nach dem Tod. Jesus spricht hier über alle Dimensionen der Erlösung. Er spricht über die ewige Quelle des Lebens in der Welt. Gott, der Vater, ist die Quelle des Lebens und der Schöpfung, einschließlich des neuen Lebens in dieser Welt. Johannes 14:6 verkündet etwas, das sehr nah an Lehre und Bündnisse 163:2a heran kommt, wenn er von der Verkörperung von Gottes Shalom spricht. Vertraue Jesus Christus. Seinem Leben und seiner Lehre nachzufolgen und in Gottes Herrschaft zu leben sind alle ein und dasselbe. Jesus ist die Verkörperung von Shalom, der Inkarnation von Gottes Willen und Wort.

Jesus Christus, Gottes Shalom, die heutige Wiederherstellung

Ich glaube daran, dass Lehre und Bündnisse 163 Jesus Christus im Wiederherstellungsglaube Bedeutung verleiht. Es gibt auch prophetische Führung darüber, wer Jesus Christus heute ist. Es spricht direkt in die Krise hinein, in der sich das Christentum heute befindet. Jesus heute nachzufolgen bedeutet die christlichen Stimmen zu unterscheiden, manche von denen nicht von Gott sind. Lehre und Bündnisse 163:3c spricht diese Warnung im Stile des Alten Testaments aus.

„Es gibt subtile, jedoch mächtige Einflüsse in der Welt, von denen einige behaupten Christus zu vertreten, und danach streben, Menschen und Nationen zu spalten, um ihre zerstörerischen Ziele zu erreichen. Etwas, das danach trachtet, ein menschliches Herz gegen ein anderes zu erhärten indem Mauern aus Furcht und Vorurteilen errichtet werden, ist nicht von Gott.“

Wir müssen lernen zu unterscheiden aber dennoch ist die Warnung klar. Lehne Bilder von Jesus oder christliche Stimmen ab, die nicht von Gottes Shalom künden. Christus ist mit Gemeinschaft untrennbar verbunden. Aber diese Gemeinschaft ist eine bestimmte Art von mit Hoffnung erfüllter, gerechter, versöhnender und friedfertiger Gemeinschaft.

Für mich bedeutet dies, christliche Botschaften abzulehnen, die auf selbstgerechte Art und Weise den Heiligen gegen den Sünder aufbringen. Das bedeutet, ein Christentum abzulehnen, das nationale Überlegenheit, die Überlegenheit von Rassen oder Exzeptionalismus befördern. Während Jesu Botschaft des Reiches den Mächtigen seiner Zeit widerstand und sie beunruhigte, so errichtete Jesus dennoch keine spirituellen oder materiellen Mauern der Angst und des Vorurteils. Er riss diese nieder.

Im Positiven gesprochen bedeutet Nachfolge Jesu nach dem Friedensreich Gottes auf Erden zu trachten (siehe Lehre und Bündnisse 163:4b). In Gottes Vision für Shalom erstreckt sich die Bedeutung für Wiederherstellung auf menschliche Beziehungen, lebendige Systeme und  die Erde. Genau darum geht es bei Nachfolge heute.

Lehre und Bündnisse 163:4a-c spricht prophetisch zu Gottes Shalom durch die Ethik des Friedens Christi. Die Ethik des Friedens Christi leiten Nachfolger in eine Verkörperung von Gottes Shalom in der Welt hinein. Die Dimensionen der Erlösung, die in den Versen 4a-c angesprochen werden, beinhalten die Befreiung von Opfern von unnötigem Leid verursacht durch Armut, Krankheit und Missbrauch. Die Ethik des Friedens Christi zielen auch auf die verwirrenden Probleme der Armut, Krankheit, Krieg und Umweltzerstörung ab. Diese Ethik leitet christliches Handeln und Berufung.

Aber fordern christliche Nachfolge und das Errichten Zions von uns wirklich, uns in den Problemen der Welt zu engagieren – oder sogar zu verlieren? Noch mehr grundlegende Fragen.

In früheren Zeiten wurden Armut, Krankheit, Katastrophen und Kriege als das Handeln von übernatürlichen Mächten gedeutet. Die Altvorderen hatten Unglück und tragische Ereignisse als das Ergebnis von Sünde oder Ungunsten bei den Göttern gewertet. Dies war es, was der Botschaft Christi so viel Macht verlieh. Er vergab Sünden, streckte sich nach den Ausgestoßenen aus und segnete die Sünder nur auf der Basis von Umkehr, einem gewandelten Herzen und Glauben. In der Weltsicht Jesu warf er sich in die Probleme und ver-problemte Menschen dieser Welt hinein. Am Ende wurde er gekreuzigt und starb als einer von ihnen.

Im 21. Jahrhundert hat sich unsere Weltsicht dramatisch verändert. Modernes Wissen, Technologie und die Systeme von Menschen formen fast jeden Aspekt des Lebens auf der ganzen Welt. Wohlstand, Gesundheit, Frieden und Fortschritt sind nicht länger das Resultat eines göttlichen Wohlgefallens oder übernatürlicher Mächte. Vielmehr werden diese durch individuelle und kollektive menschliche Handlungen hervorgerufen. Sie werden durch weltweite Beziehungen und menschliche Systeme geformt. Von daher sind Armut, Krankheit, Gewalt und Umweltzerstörung auch nicht das Ergebnis von Zufall oder der Ungnade Gottes oder eines göttlichen Handelns. Auch sie werden von menschlichen Systemen, Handlungen und Entscheidungen beeinflusst. Von daher können wir etwas an ihnen ändern.

Jesus lädt uns dazu ein, ihm zu folgen und den Problemen und den ver-problemten Menschen dieser Welt in die Augen zu sehen. Heute bedeutet dies dasselbe wie damals. Es bedeutet, in den Spiegel zu schauen. Es bedeutet, unser Herz zu erweichen, unser Kreuz auf uns zu nehmen und symbolisch unsere Augen auf Jerusalem zu richten und die Mächte und die Mächtigen herauszufordern. Lehre und Bündnisse 163:3b fordert uns dazu heraus, „mutig kulturelle, politische und religiöse Tendenzen heraus[zufordern], die sich gegen die versöhnenden und wiederherstellenden Absichten Gottes stellen“

Lehre und Bündnisse 163:11a fasst diesen Aufruf zusammen:

„Gott ruft uns zu einer prophetischen Gemeinschaft auf, die sich aus den Nationen der Welt zusammensetzt, und durch eine außergewöhnliche Hingabe zur Barmherzigkeit, Mitgefühl und zum Frieden Gottes, wie in Jesus Christus offenbart, gekennzeichnet wird.“

In den anstehenden Heralds werden die Autoren mehr auf das Thema, auf den Friedfertigen hinzustreben, eingehen. Ihre Beiträge werden sich darauf konzentrieren, was es bedeutet, heute Christus, der Verkörperung von Gottes Shalom, nachzufolgen. Sie werden grundsätzliche Fragen stellen, die aus der Vision für Jesus Christus, die sich in Lehre und Bündnisse 163 findet, herleiten.

Die Gemeinschaft Christi hat einen Blick auf Jesus Christus und einer Nachfolgerschaft zu Jesus Christus im Sinne der Wiederherstellung. Sie erwächst gleichermaßen aus Schriften der Wiederherstellung, wie dem Evangelium. Ein Volk des Tempels zu werden bedeutet, unser Herz und unsere Ressourcen für Christi Mission zu verwenden. Er ist die Verkörperung von Gottes Shalom.

Manche fragen auch heute noch „was ist einzigartig oder besonders am Glauben der Gemeinschaft Christi?“ Ich antworte dann immer, dass die Antwort sich nicht verändert hat. Es ist Jesus. Wenn das für dich nichts Einzigartiges ist, dann bist du ihm noch nicht begegnet.

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