Metamorphose

Präsident Stephen M. Veazey hielt diese Ansprache am 8. Dezember gegen Ende einer Haushaltssitzung des Weltkirchenfinanzrats im Tempel in Independence, Missouri. Dieser Artikel ist in der Januar-Ausgabe von The Herald erschienen (aktualisierte Übersetzung, 27. Februar 2020)

Vielen Dank für Eure Teilnahme an diesem Wochenende, von der ich weiß, dass Ihr Euch  bereits viele Wochen vor Eurer Teilnahme an diesen Sitzungen vorbereitet habt.

Seit einiger Zeit schon, habe ich den Wunsch, auf eine andere Art und Weise mit dem Weltkirchenfinanzrat und anderen Gruppen zu unterhalten. Noch während meiner Zeit als Leiter der Kirche kann ich mich erinnern, dass wir Budgets in Höhe von 29 Millionen US-Dollar für die weltweite Mission der Kirche bewilligen konnten. Mir ist klar, dass wir zu dieser Zeit überfordert waren und dafür zahlen wir weiterhin den Preis. Ich danke Euch für Eure sorgfältige Prüfung, die uns zu dem Budget geführt hat, das wir heute bewilligt haben.

Aber ich habe in den letzten Monaten viel über die Auswirkungen nachgedacht, die wir in einer Zeit erfahren haben, als sich unser Budget von 28 Mio. USD auf 29 Mio. USD auf nunmehr 14,7 Mio. USD verkleinert hat und wir dennoch gleichzeitig bemüht waren, weiterhin voll operativ zu bleiben und, entsprechend den Erwartungen der Kirche, so viele Dienste wie möglich zu gewährleisten – und zwar in dem Maße, als hätten wir noch Budgets in der Höhe von 25 Millionen bis 27 Millionen Dollar zur Verfügung.

Ich möchte nur darauf hinweisen, was wahrscheinlich allen sehr klar ist. Dies kann so nicht weitergehen.

Wir sind bereits unter den minimalen organisatorischen Betriebsanforderungen in der Kirche. Unsere Mitarbeiter bemühen sich herkulisch, uns am Leben zu erhalten und die Dinge zusammenzuhalten, um den Erwartungen der Kirche gerecht zu werden, die wir aber leider nicht zusammen mit unseren Budgetkürzungen angepasst haben. Eure Anstrengungen gehen weit über das Maß hinaus, was noch vertreten werden kann.

Ich weiß, die Antwort liegt nicht darin, einfach zu versuchen, mehr Einkommen zu generieren, um dann die Organisation so wie sie war, weiter zu finanzieren. Angesichts der massiven Veränderungen in der Kultur und der Wahrnehmung der Menschen von Kirche, Spiritualität und Glauben befinden wir uns in einer neuen Zeit – und das schon seit einiger Zeit. Dies schließt beispiellose Veränderungen mit ein.

Finanzielle Zwänge haben uns in den letzten Jahrzehnten zu substanziellen Veränderungen und Innovationen getrieben. Strukturelle Veränderungen aufgrund finanzieller Beschränkungen allein reichen jedoch nicht aus, um die Herausforderungen und Chancen dieser Zeit in der Kirchen- und in der Menschheitsgeschichte zu meistern. Gleichzeitig kostet die Bewältigung der organisatorischen Anforderungen aufgrund finanzieller Engpässe viel Zeit und Energie, wenn diese Zeit und Energie doch benötigt werden, um an einer Vision für die Zukunft und Innovation zu arbeiten und die Bewegung in die erforderliche Richtung zu beschleunigen.

Wir brauchen Einsicht, Inspiration und Mut, um mutige Schritte zu unternehmen.

Wir haben ziemlich viel darüber nachgedacht und gebetet. Im Laufe des Jahres 2020 führen wir einen umfassenden Entscheidungsprozess durch, um die Wesensmerkmale der Kirche und Eurer Sendung zu untersuchen und dann zu ermitteln, wie wir uns künftig organisieren sollten. Diese Unterscheidung gehört zu den grundlegendsten Ebenen unseres Lebenszwecks in einer Welt der Not. Dies wird uns schnell zu den Fragen führen: „Was ist für unser Leben und unsere Mission von wesentlicher Bedeutung?“ „Was müssen wir bewahren und was müssen wir für die bevorstehende Reise loslassen?“

Wenn wir heute mit einer Vision und einem ausgeprägten Gespür für die Förderung und Vermehrung der Gemeinschaften von Jüngern und Suchenden auf der ganzen Welt beginnen würden, die an der spirituellen Ausbildung in einer von Christus inspirierten, integrativen Gemeinschaft beteiligt sind, die die Mission Christi verfolgt, wie würden wir dies mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln tun? 

Unsere Organisation ist zu komplex. Sie ist zu bürokratisch. Es erfordert zu viel Zeit und Energie, um alle Teile zusammenzuhalten. Die Art von anspruchsvoller Arbeit, von der wir sprechen, liegt vielmehr in der Größenordnung einer Metamorphose [für die Übersetzer; eine Raupe, die in den Kokon geht, um als Schmetterling daraus hervor zu gehen, oder eine Larve, die in etwas übergeht, das viel anders ist als wie es vorher aussah]. Metamorphose ist mehr als nur eine schrittweise Veränderung und Anpassung. Diese Art von Prozess wird, besonders wenn Ihr den Wandel am eigenen Leib erfahrt, Angst erzeugen, schmerzhaft sein aber letztendlich das Wesen der Kirche und Eure Sendung in der Welt befreien.

Ich bekräftige weiterhin regelmäßig die geistige Ausrichtung der Kirche und die Aspekte der Kirche, die sich abzeichnen, während wir entdecken, was es bedeutet, Gemeinschaft Christi zu sein – was es bedeutet, in Geist und Wirken gegenüber der Welt das Wesen Christi zu verkörpern.

Ein Teil der Kirche, besonders in der westlichen Welt, denkt immer noch, die Frage, die die Menschen in der Welt stellen, sei: „Welche Kirche ist wahr?“ Das ist jedoch schon seit langem kein Thema mehr. Die Frage, die sich die Menschen stellen, lautet: „Wie bietet mir Eure Kirche Unterstützung für das geistige Wachstum in der liebevollen Gemeinschaft mit anderen, insbesondere mit denen, die sich vielleicht von mir unterscheiden?“

Das ist eine wesentliche Frage. Wir haben versucht, die Kirche auf diese Frage aufmerksam zu machen, aber an vielen Stellen ist der Widerstand groß, weil es so schwierig ist, loszulassen, wer wir waren und wo wir waren. Einer der großen Kämpfe ist, dass ein Großteil unserer Struktur zu Beginn unserer Bewegung für unantastbar erklärt wurde. Und so glauben unsere Mitglieder, dass eine bestimmte Organisationsform dem Evangelium gleichzusetzen sei. Dies zu überwinden wird uns eine große Herausforderung sein, da nicht eine Struktur und eine äußere Form das Evangelium ausmachen, das geschützt werden muss, sondern der Geist einer Bewegung ist es, die sich in Beziehungen ausdrückt, und ein Schwerpunkt eines Dienstes, der von Christus inspiriert ist. …von Christus inspiriert ist.

Wir leben in dieser Zeit – und zwar schon seit einiger Zeit. Die Haushaltszwänge haben uns ein Gefühl der Dringlichkeit gegeben und damit auch einen Zweck erfüllt. Aber wir sind jetzt an dem Punkt angelangt, an dem es nicht mehr, nur das Budget in eine bestimmte Richtung zu lenken. Und wir befassen uns mit der tiefgreifenden Reflektion, die dies erfordert.

Möglicherweise müssen wir alle etwas aufgeben, das uns sehr wichtig erscheint. Gleichzeitig werden wir zusammen eine Befreiung erleben – eine Befreiung von vielen Dingen, die uns manchmal so schwer erscheinen. Und während wir vorwärts gehen, wird uns die Erfahrung die Gewissheit geben, dass dies tatsächlich die Richtung ist, die Gott für uns im Sinn hat. Das ist die Richtung, die Segen in unser Leben bringen wird. Und es wird so sein, als würde man das Evangelium zum ersten Mal entdecken, obwohl wir in unserer Bewegung schon lange auf diesem Weg gereist sind.

Es wird einige Menschen geben, die dann nicht mehr mit uns reisen werden. Andere Menschen reisen bereits mit uns. Und wieder andere werden sich uns anschließen werden während wir diesen Weg weitergehen.

Als ich heute Morgen nachdachte, hatte ich einfach das Bedürfnis, diese Überlegungen mit Euch zu teilen. Und vor allem wollte ich Euch für Eure Bereitschaft danken, die Reise mit uns fortzusetzen, denn die Arbeit des Weltkirchenfinanzrates die im Namen der Kirche auf der ganzen Welt handelt, wird für die Metamorphose unseres Wesens und unsere treue Nachfolge von entscheidender Bedeutung sein.

 

1 Kommentar

  1. Zahlt den Zehnten vom Netto-Monatseinkommen. Das würde sciher helfen und macht so viel wie möglich ehrenamtlich.

    Ich bin ein Mitglie der Kirche Jesu Christi d. HLT, aller dings brignen mich viele Lehren zum Zweifeln. Was ich ier lese entsricht merh dem, wie ich das Evangelium verstehe, aber von der finanziellen Seite versteht die HLT Kirche wohl mehr. Das hat sie aus schmerzlichen Erfahtungen in der Anfangszeit der Kirche gelernt. Seitdem es den Zehnten vom Nettoeinkommen bei berufstätigen Mitgliedern gibt, sind die finanziellen Sorgen deutlich geringer geworden.
    Durchaus ein Prinzip, über das man nachdenken kann.

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.