Weihnachtsgrüße vom Missionspräsidenten Joey Williams

„26 Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret 27 zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. 28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. 29 Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. 30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. 31 Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. 32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.“

Lukas 1:26-32

 

Google mal “Maria Verkündigung“ und du wirst sogleich in eine schier endlose Welt von Bildern und noch mehr Bildern eintauchen, die Gabriel zeigen, wie er Maria verkündet, dass sie empfangen wird, einen Sohn gebären wird und diesen Jesus nennen soll. Dies ist der wunderbare Beginn einer größeren Geschichte, die sich oft im Monat Dezember in unser Leben einfindet. In den kommenden Wochen werden wohl die meisten von uns die erneute Erzählung dieser Geschichte erleben können – im Fernsehen, im Radio, in gesungenen Liedern, durch ein Krippenspiel, einer Vorlesung aus der Heiligen Schrift in einem Gottesdienst oder in einem Gespräch mit einem Freund. Während uns die Handlung oft schnell weiter mit nimmt bis zur Ankunft eines wunderschönen Kindes, das in Leinen gewickelt ist, so lade ich uns dieses Weihnachten dazu ein, zu verweilen.

Uns Zeit zu nehmen.

Zu ruhen.

Uns hier ein bisschen aufzuhalten.

Verweile mal ein wenig in diesem Bild einer Botschaft der Hoffnung für die Welt, nämlich dass das Christuskind in uns gefunden werden will. Dass wir dazu eingeladen sind, Immanuel, Gott in uns, Christus in eine Welt hinein zu tragen, in der sich die Menschen allzu oft von sich selbst, von anderen, ihrem Schöpfer und der gesamten Schöpfung Gottes entfremdet fühlen.

Es gibt zwei weltberühmte Haltungen in den meisten klassischen Abbildungen der Verkündigung. Maria deutet an, ihre Hände über ihrer Brust zu kreuzen (oft, während sie dabei ihr Haupt neigt) oder sie hält eine Hand in die Höhe und nach außen, die Handfläche zu Gabriel hin ausgerichtet. Ich war überrascht, als mir vor einigen Jahren klar wurde, dass diese beiden Posen die Intention des Künstlers veranschaulichen, Annahme zu verbildlichen.

Dies ist der Ort in der Geschichte, an dem ich verweilen möchte. Ich verweile im Moment. Dieser eine Moment, in dem Maria sich dazu entschließt, die Botschaft anzunehmen. Ich nehme mir Zeit für diesen Moment. Ich nehme mir Zeit für diesen Augenblick in der Geschichte, in der sie sich dazu entschließt, Gottes Vision für diese Welt zu akzeptieren. Ich ruhe in der Tatsache, das sie Ja sagt. Sie sagt Ja zu Gottes verlangen danach, in die Welt zu treten und in Fülle Teil zu haben am Leben und der Wirklichkeit der Menschheit, nahbar zu sein und tiefer in die Beziehung mit der ganzen Menschheit und Schöpfung einzutauchen. Und hier lege ich nun meinen Mantel ab und halte mich noch ein Bisschen auf. Ich bleibe im Heiligen Haus der Besinnung, wo ich in diesen Bildern verweile, die meiner eigenen geistigen Reise, möglicherweise sogar unserer aller Reise, vielleicht etwas mitzuteilen haben. 

Diese Szene bringt einige interessante Fragen in unser Bewusstsein, über die es sich lohnt, einmal nachzudenken.

 

WER SIND DIESE GABRIELS IN UNSEREM LEBEN?

Wer sind die Engel, oder vielleicht besser, wer sind die „Boten“, die in unserem Leben die göttliche Vision, die bereits in uns wohnt, verkünden oder bereits verkündet haben? Wer hilft uns dabei, unsere Begabungen zu sehen, mit denen wir uns und andere segnen können? Welche Worte wurden gesprochen, die dir geholfen haben, dein Sendungsempfinden zu benennen und welche sanften Anstöße haben dir dabei geholfen, dir die Richtung zu Möglichkeiten nicht nur in deiner eigenen Zukunft zu zeigen, sondern auch einer Zukunft, zu der Gott uns als Individuen und als ein Volk ruft? Wer sind die Gabriels in unserem Leben und was ist es, das bereits in uns steckt, das zu sehen, wie es Form und Gestalt annimmt, sie uns helfen möchten?

 

SIND WIR WIE MARIA?

Wenn ich auf diesem Teil der Geschichte verweile, gehe ich in Gedanken vor und zurück, wie sehr diese Nachricht Maria wohl beeindruckt haben muss. War sie überrascht? Hatte sie vielleicht bereits so ein Gefühl, dass da etwas Aussergewöhnliches in ihr geschah, das noch Bekräftigung oder sogar Bestätigung von jemand Anderem brauchte? Hatte sie ein Gefühl, ausreichend zu sein? Dachte sie vielleicht „Was habe ich diesem Kind schon zu bieten?“ Fragte sie sich, ob nicht vielleicht jemand Anders das besser kann? Sah sie sich vielleicht als bedeutungslos im Vergleich zu den großen Persönlichkeiten, die ihr voran gegangen waren und war sie verwirrt, Teil eines so wichtigen Momentes in der Geschichte zu sein und sich zu fragen „Warum ich?“ Fragte sie sich, ob sie nicht vielleicht zu jung dazu sei, eine solche Verantwortung zu tragen? War sie vorsichtig in ihrer Reaktion?

Oder mochte es vielleicht sein, dass Maria auf die Arbeit, die zu erfüllen sie eingeladen war, neugierig war und dass sie sich fragte, was wohl passierte, wenn sie „Ja“ sagen würde. Vielleicht fühlte sie sich durch diese Einladung bestätigt und bereit, eine bedeutsame Akteurin für das Neue zu sein, das in ihrem Leib heran wuchs, in Erwartung von etwas Unglaublichem, das die Welt verändern würde. Konnte sie vielleicht so sehr in freudevoller Erwartung sein, dass sie ihre Hände in einem überglücklichen „JA!“ in die Höhe warf? Vielleicht war sie begeistert davon, Teil einer größeren Geschichte von Gottes Wirken in der Welt zu sein? Auf welche Weise sind wir wie Maria?

 

WIE WIRD UNSERE ANTWORT AUF GOTTES BOTSCHAFT LAUTEN, DIE ER DURCH UNS IN DIE WELT AUSSENDEN MÖCHTE?

Was bedeutet es, die Einladung anzunehmen, das Christuskind, das bereits in uns wohnt auch auszutragen, dieser Friedensvision Leben zu schenken, aktiv in der Fleischwerdung des Wortes zu sein, was ja die Weise der Verkündigung der Frohen Botschaft ist; derjenige oder diejenige zu sein, den „Immanuel… Gott ist mit uns“ willkommen zu heissen und das Eingangstor zu sein für Gottes Handeln im Leben der Menschen und aller Schöpfung Gottes?

In Steve Veazeys Aufforderung vom 20. September 2017 „Eine Zeit zu handeln“ schlägt er vor: „Die Zukunft der Kirche ist gestaltet als ein Grundkonzept: unser Hauptzweck ist es, Gemeinschaften von Nachfolgern und Suchenden zu gebären, zu nähren und zu vermehren, die um geistige Gestaltung und mitfühlenden Dienst und Handeln bemüht sind.“ Welche Vision geistiger Gestaltung und mitfühlenden Dienstes rührt sich in dir? Gibt es ein Projekt, über das zu beginnen du immer wieder nachdenkst, oder geschieht etwas in deinem Umfeld und du möchtest dich einbringen? Gibt es einen Lehrgang oder eine Ausbildung, die du gerne machen würdest, die dich dazu ausrüsten würde, anderen zu dienen? Welche Frohe Botschaft ist es, die in dir heranwächst, die mitgeteilt werden muss? Ist es vielleicht ein Gespräch, das zwischen dir und einem Freund oder einem Mitglied deiner Familie hätte stattfinden sollen – ein offenes und ehrliches Gespräch, das Verständnis, Vergebung und Versöhnung ermöglichen würde? Gibt es einen tiefsitzenden Wunsch nach einem einfacheren Leben… um Platz zu schaffen für etwas Neues oder eine neue Art zu sein, die im Begriff ist, durch dich geboren zu werden? Wie wirst du auf die Botschaft antworten, dass Gott durch dich in diese Welt hineingeboren werden will?

Dieses Weihnachten lade ich Euch dazu ein, zu verweilen, Euch Zeit zu nehmen, zu ruhen, Euch ein bisschen aufzuhalten in dem Bild einer Botschaft der Hoffnung für die Welt, dass das Christuskind in uns zu finden ist, dass wir dazu eingeladen sind, den Immanuel, Gott mit uns,  in uns zu tragen und Christus hervorzubringen, hinein in eine Welt, die sich nach Verwandlung und Heilung sehnt. Möge das Christuskind durch uns auf eine Art und Weise geboren werden, so das Jene, die diese Ankunft bezeugen können, in den Chor einstimmen und singen werden: „Freu dich, o Welt, dein König naht!“

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