Maria 2.0 – Kommentar der Gemeinschaft Christi München

Maria 2.0: offener Brief der katholischen Frauen, Gegenrede der katholischen Apologeten – Kommentar der Gemeinschaft Christi München

In ihrem in der vorletzten Woche veröffentlichten (aber nicht genau datierten) offenen Brief an Papst Franziskus und die Synode der Bischöfe laden die aus einem Studienkreis in der Heilig Kreuz Pfarrei hervor gegangenen Frauen der „Aktion MARIA 2.0“ die Mitglieder der katholischen Kirche zur aktiven Solidarität mir ihrer Aktion ein: „Von Samstag, 11. bis Samstag, 18. Mai 2019 betreten wir keine Kirche und tun keinen Dienst“ heisst es in dem Brief.

Die Frauen und Männer der Initiative begründen den Namen ihrer Aktion so, dass „Maria 1.0“ für Maria als Idealbild der schweigenden und dienenden Frau stehe. „2.0 heißt Neuanfang: Alles auf null stellen. Wir sind nicht mehr so!“ sagt Barbara Stratmann, eine der Initiatorinnen.

In ihrem offenen Brief beklagen sie Mißstände in der römisch-katholischen Kirche durch Missbrauch, Verletzungen und Vertuschungen und bringen ihre Enttäuschung über ihr verletztes Vertrauen zum Ausdruck. Der Katholische Deutsche Frauenbund, die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands und andere Gruppen und Einzelpersonen, auch Priester, bekunden ihre Solidarität mit der Aktion.

Eine sich viral verbreitende Petition im Internet wurde (zu diesem Zeitpunkt) bereits über 28000 mal unterzeichnet, Tendenz schnell steigend. In mindestens 50 Orten wurden Aktionen im Rahmen von Maria 2.0 angekündigt. So fanden sich zur zentralen Veranstaltung, einer Mahnwache am Münsteraner Domplatz am Sonntag, dem 12. Mai ca. 700 bis 800 Gläubige ein. In Freiburg demonstrierten am selben Tag und nach einer Priesterweihe rund 400 Frauen und Männer. Der die Weihe leitende Erzbischof Stephan Burger ging beim Auszug aus dem Münster auf Wortführerinnen der Aktion zu: „Die Botschaft kommt an“, sagte er, entgegnete aber: „Ich werde diese Spannung heute nicht lösen können.“

Die Forderungen der Initiatoren umfassen (zusammengefasst) die Amtsenthebung von schuldigen oder mitschuldigen Priestern und Bischöfen und die Zusammenarbeit mit den Staatsanwaltschaften. Des Weiteren fordern sie den Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche und die Aufhebung des Pflichtzölibats sowie die Ausrichtung der kirchlichen Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen.

Der Offene Brief und der offene Teilnahmeboykott der Initiatoren und Sympathisanten der Aktion MARIA 2.0 finden in Presse und Öffentlichkeit Beachtung – sowohl von Befürwortern als auch von Kritikern und Apologeten.

Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, erklärte, dass es Veränderungen geben müsse und dazu ein Dialog notwendig sei, „aber Streiks sind da nicht das richtige Mittel“.

Die katholische apologetische Position kursiert weitgehend im Internet und es melden sich verschiedene apologetische Gruppen zu Wort: So schrieben zum Beispiel die Autoren der konservativen katholischen Website „The Cathwalk“ in ihrer Reaktion am 12. Mai 2019 „Non serviam – 5 Sünden und Häresien der Aktion „Maria 2.0“„, warum sie der Aktion MARIA 2.0 eine sündhafte und herätische Haltung vorwerfen. Diese zeige sich nach ihrer Meinung und im Verweis auf kirchliches Recht durch:

  • „Ungehorsam gegenüber dem Sonntagsgebot. Niemand dürfe aus Privatinteressen der Sonntagsmesse fern bleiben: „Am Sonntag und an den anderen gebotenen Feiertagen sind die Gläubigen zur Teilnahme an der Meßfeier verpflichtet; sie haben sich darüber hinaus jener Werke und Tätigkeiten zu enthalten, die den Gottesdienst, die dem Sonntag eigene Freude oder die Geist und Körper geschuldete Erholung hindern.“ (Can. 1247)
  • Forderung der Weihe von Frauen zu Priestern und Bischöfen. Paul VI. und Johannes Paul II. haben in den Schreiben „Inter Insigniores“ (1977) und „Ordinatio Sacerdotalis (1994) endgültig festgehalten, dass “ die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“
  • Aufstand gegen die Ordnung und Verfassung der Kirche im Allgemeinen. Die Kirche ist von Christus gegründet, um alle Menschen zum Heil zu führen. Niemand hat das Recht, die Kirche zu bestreiken und eigenwillige, egoistische Forderungen zu erheben.
  • Leugnung der Bedeutung und Rolle der Frau in der Kirche. Die Frauen von Maria 2.0 leugnen, dass Frauen unverzichtbar in der Kirche sind. Sie sehen Männer vor allem als Unterdrücker und Machtinhaber.
    Und als letzten Punkt:
  • Leugnung der Gnade und Berufung. Indem die Aktion „Maria 2.0“ den Namen Marias, der Mutter der Kirche für ihren Streik in den Dreck zieht und mit den Methoden linker Ideologen Machtkämpfe initiiert, wird geleugnet, dass es in der Kirche um Gnade, Berufung und Gehorsam Gott gegenüber geht. Stattdessen wird das diabolische Motiv „non serviam“ – „ich werde nicht dienen“ bemüht, um zutiefst aus dem Egoismus, der Selbstverwirklichung und der Sturrheit geborene Sünden und Häresien durchzusetzen.“

Die Redaktion des Netzwerks „The Cathwalk“ fordert die Exkommunikation der Mitglieder durch die Bischöfe, wenn keine Buße durch „Reue, Beichte, Umkehr“ erfolge…

Als Gemeinschaft Christi München können wir nicht aus der katholischen Position heraus Stellung beziehen, sondern lediglich „von Aussen“ kommentieren. Wir nehmen aber die ökumenische Position der Mitgeschwister in Christus für uns in Anspruch, die von Respekt und Mitgefühl für die römisch-katholische Kirche und unsere christlichen Mitgeschwister gekennzeichnet ist. Es geht uns nicht darum, für die Richtigkeit unserer eigenen Ansichten und Ansprüche zu werben oder sogar den Streit innerhalb der römisch-katholischen Kirche für unsere eigenen Zwecke zu verwerten. Passend zur Gelegenheit macht es aber Sinn einige der Punkte im Lichte der Position der Gemeinschaft Christi einmal darzustellen, da uns diese, aus noch zu besprechenden Gründen, diskussionswürdig erscheinen. Gerade im Hinblick auf die Diskussion um den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist die Darstellung unserer Position sogar geboten!

Drei Punkte halten wir hier also für betrachtenswert:

  • Der Vorwurf von Rebellion und des Glaubensabfalls im Zusammenhang mit Aktionen des zivilen Ungehorsams,
  • die Forderung nach Amtsenthebung von mißbräuchlichen Priestern und die Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden, sowie
  • die Priesterweihe von Frauen.

Zunächst zur Vorstellung (dem deutschen Wikipedia Artikel angelehnt): Die Gemeinschaft Christi erhebt – im Gegensatz zu den anderen im Rahmen des Mormonismus entstandenen Konfessionen, aus dem sie im Jahre 1860 hervor gegangen sind – nicht den Anspruch, die allein seligmachende Kirche zu sein. Sie bewegt sich seit den 1960er Jahren nah an den in der Ökumene eingebundenen christlichen Kirchen, lässt in einigen Ländern ihre Priester an gewöhnlichen protestantischen Colleges zu Pfarrern und überregional tätigen Geistigen ausbilden und arbeitet auch in der ökumenischen Bewegung mit. Die Kirche lehnte schon im 19. Jahrhundert jegliche Diskriminierung auf Grund der Hautfarbe ab und lehrte die Gleichheit der Menschen aller Rassen. Die Frauenordination wurde 1984 eingeführt.  Das Gottesbild der Gemeinschaft Christi ist klassisch-trinitarisch und ihre Taufe wird daher von den anderen christlichen Kirchen als vollgültig betrachtet. Die Gemeinschaft Christi betont vor allem den kommunitarischen und pazifistischen Aspekt der mormonischen Lehren.

Zunächst zum Thema des zivilen Ungehorsams innerhalb der Kirche:

In der Gemeinschaft Christi ehren wir Grundsätze, die über einen legislativen Prozess des „gemeinschaftlichen Konsens“ zustande gekommen und auf Weltkonferenzen beschlossen worden sind. Durch diese „dauerhaften Grundsätze“ der Gemeinschaft Christi – Segen der Gemeinschaft, Wert aller Personen, verantwortungsbewusste Entscheidungen treffen und Einheit in Vielfalt – lassen wir eine glaubenstreue Meinungsverschiedenheit zu und begrüßen diese.
Eine grundsätzliche Verpflichtung zur Identität, Mission, Botschaft und Glaubensaussage der Gemeinschaft Christi mag helfen, um jemanden in der Glaubensgemeinschaft zu halten, selbst wenn diese Person in einem konkreten Standpunkt deutlich anderer Meinung ist. Die Liebe einer Person zur Glaubensgemeinschaft ist stärker als das Streitthema.
Menschen mit einer anderen Meinung werden von der Kirche als ganzes sowie von der örtlichen Gemeinde respektiert und sie dürfen ihren Standpunkt während einer Diskussion, bei Versammlungen, Schulungen oder Gesprächen als ihre persönliche Meinung kundtun, soweit dies angemessen ist.
Die Zustimmung zu offiziellen oder inoffiziellen Positionen der Gemeinschaft Christi ist kein Test der Glaubenstreue, weder für Priestertumsträger, noch für Mitglieder oder Freunde der Kirche.
In unserem Bemühen, vorbildliche Gemeinschaften zu schaffen, hören wir unseren gegenseitigen Standpunkten aufmerksam zu. Des Weiteren versuchen wir, den Standpunkt des Anderen aus seiner Sicht zu sehen. Wir vertrauen darauf, dass der Andere sich zu Christus verpflichtet hat und motiviert ist, die Mission der Kirche zum Wachsen bringen zu wollen. Wir trachten danach, unsere Einheit zu festigen, indem wir von unserer Vielfalt lernen.
Zahlreiche legislative Konferenzen der Gemeinschaft Christi und Methoden der Konsensbildung bieten Gelegenheiten dafür, dass jemand darauf hinwirken kann, die Positionen, mit denen er nicht übereinstimmt, zu verändern (siehe „Glaubenstreue Meinungsverschiedenheit – Definition und Grundsätze Weltkirchenleitungsrat, März 2013)

Eine Handlung, die bewusst darauf ausgerichtet ist, der Kirche Schaden zuzufügen oder vor der Öffentlichkeit zivilen Ungehorsam zu demonstrieren, Streit aus der Kirche heraus und sogar vor die Presse zu bringen, würde einzelne Mitglieder oder Gruppen von Mitgliedern von der Kirche trennen und das Vertrauensverhältnis empfindlich stören. Man würde gleichsam aus der Familie heraus treten, um vor aller Öffentlichkeit mit dem Finger auf ihre/seinen Schwester/Bruder zu zeigen und sie/ihn anzuklagen.

Dennoch gibt es Fälle die Ausnahmen erfordern, wenn nämlich gerechtes und geltendes Gesetz gebrochen wird, wie das z.B. bei Kindesmißbrauch und Gewalt in der Familie (wie MARIA 2.0 es vorbringen „Mißbrauch, Verletzungen und Vertuschungen“) der Fall ist. In solchen Fällen vertritt die Gemeinschaft Christi klar die Position, die auch von der Aktion MARIA 2.0 gefordert wird.

In der von der britischen Mission im Jahre 2015 erstellten und auf die deutsche Kirche angepassten Erklärung zum Schutze der Kinder und Junger Menschen heisst es hierzu:

„Wir erkennen an, dass wir alle eine Verantwortung haben, physischen, sexuellen und emotionalen Missbrauch von Jugendlichen (Menschen unter 18 Jahren) und jedweden Missbrauch, dessen wir gewahr werden, zu melden.“ und weiter:

„Die Person, die Verdachtsmomente oder Beschuldigungen von Missbrauch gemeldet bekommt, soll diese innerhalb von 24 Stunden einem Schutzbeauftragten melden (der im Anhang der Erklärung angegeben ist)“. Der Prozess und der Umgang mit den staatlichen Stellen, die die oder der Schutzbeauftragte zu kontaktieren hat, ist präzise benannt. Schutzbeauftrage sind geschult, für Unterschiede zwischen elterlicher Nachlässigkeit (poor parenting) und Missbrauch sensibel zu sein und sich unverzüglich Hilfe zu suchen, wenn Unsicherheit besteht oder dies notwendig ist.

„Wenn der Jugendarbeiter, der dieses Anliegen vorgebracht hat, erkennt, dass die/der Schutzbeauftragte auf die Anzeige nicht angemessen reagiert, steht es dem Jugendarbeiter frei, aussenstehende Stellen oder Behörden direkt zu kontaktieren.“

Die Gemeinschaft Christi München hat keine Toleranz für häusliche Gewalt an Kindern und Jugendlichen und beugt einer Kultur, in der diese und andere Vergehen und Verletzungen unter einer „heiligen Decke“ gehalten werden, von vornherein vor. Wir meinen, dass ein kirchlicher Alleinvertretungsanspruch, sowie ein institutionelles Zölibat (also ein Gelübde der Ehelosigkeit, welches Zugang zu Ämtern schafft) gemeinschaftliche Spannungen und problematische Anreizsysteme schaffen, die unethisches Verhalten begünstigen können.

Hinsichtlich der Ordination von Frauen hat die Gemeinschaft Christi sich gemeinschaftlich – und durch die Weltkonferenz bestätigt (wenn auch im Vergleich zu anderen Kirchen recht spät) – im Jahre 1984 für die Ordination von Frauen und Zugang zu allen Priestertumsämtern entschieden.

So schrieb der damalige Präsident und Prophet der Kirche Wallace B. Smith im Geist der Offenbarung und kanonisiert im Abschnitt 156:9c des Buches Lehre und Bündnisse „Seid also nicht darüber erstaunt, wenn einige Frauen in der Kirche zu priesterlichen Verantwortungen berufen werden. Dies steht im Einklang mit meinem Willen, und wo diese Berufungen meinen Dienern kundgetan werden, sollen sie nach den Verwaltungsverfahren und den Bestimmungen des Gesetzes behandelt werden“

Z.B. im Priestertumsleitfaden aus dem Jahr 2004 wird die Gemeinschaft Christi instruiert: „Männer und Frauen sind zum Priestertum berufen und zu bestimmten Ämtern im Priestertum durch Beamte der Kirche, die im Sinne des Geistes der Inspiration, Weisheit und Unterscheidungsfähigkeit wirken“.

Die Gemeinschaft Christi München wird in co-pastoraler Verantwortung geleitet. Chantal und Henning sind seit 25 Jahren verheiratet und tragen eine priesterliche und sakramentale Berufung gemeinsam. Eine andere Zusammenstellung, in der nur Chantal oder nur Henning eine alleinige pastorale und priesterliche Verantwortung tragen, halten wir derzeit für nicht wünschenswert, finden wir sie doch in unserem Dienst und durch den Heiligen Geist immer wieder bekräftigt! Die Taufe, das Segnen und Austeilen des Abendmahls, die Eheschliessung und die Seelsorge können von Chantal und von Henning gleichermaßen und, wie angemessen, durch die Kirche beauftragt und durch den Heiligen Geist befähigt vollzogen werden.

 


 

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